Wandlung
Fließendes Blau
gefügt zu Linien
eisiger Raum
zur Höhle erstarrt

Licht und Schatten
einander begegnen
formloser Stein
auf Bahnen geführt

Rund geschliffen
auf langer Reise
aufbäumend, spitz
ragt Ende empor

Abgesprungen
von der Geraden
folgend dem Weg
zum eigenen Ich

(Angelika Dölling 2000)


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Scheideweg
Grau war der Morgen
als du gegangen
eisige Kälte
die uns umgab
suchend nach Worten
traten wir leise
weinenden Herzens
an dich heran.

Du bist entschwunden
aus uns’rem Leben
deinen letzten Weg
gingst du allein
klammernde Blicke
sich langsam lösen
trostlose Leere
nur langsam weicht.

(Angelika Dölling 2001)


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Gebaut für den Frieden
Vom Fluss geschliffen,
unter Mühen gehoben,
aus Felsen geschlagen,
weit fort getragen.

Bis Stein auf Stein gesetzt war,
das Wunderwerk vollbracht,
im Sonnenglanz sich spiegelnd,
der Zukunft zugewandt.

Zum Machtsymbol erkoren,
wo weltweiter Handel pulsiert
von stählernem Mantel umgeben,
an einem Elften kollabiert.

Schmale Spitzen ragen
senkrecht ins Firmament.
Verlorene Augen starren
auf das, was uns fremd.

(Angelika Dölling 2002)


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Kalt erwischt
Aus dem finsteren Himmelstor
schwebt leise Flocke um Flocke hervor.
Und auf den Straßen, in den Gassen
türmen sich die weißen Massen.

Schockgefrostet, vereiste Zweige,
sie rücken den Dächern mit Schaufeln zu Leibe.
Sie tragen ab, was nicht hingehört,
doch niemand wird evakuiert.

Es melden sich Stimmen, die hinterfragen,
warum nichts geschah nach all den Tagen
wer nur Formeln deklariert,
hat die Gefahr nicht akzeptiert.

Schon senken sich die weißen Lasten,
hier knirscht und stöhnt es im Gebälk.
Zum Ausgang sieht man sie nun hasten,
heran naht düsteres Gewölk.

Und aus der stillen Winterpracht
ertönt ein Klagen und ein Wimmern.
Feuchte Spürnasen jagen nach
Toten unter den Trümmern.

(Angelika Dölling 2006)


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Highlands
Aus der Felswand sprießt und sprudelt
unablässig nasses Quell,
schießt hinab ins Loch, ergießt sich,
zarter Schleier umgibt den Grund.

Hügel an Hügel erstarrt zu Wellen.
Schwere Wolken umnebeln die Höhen.
Vom Wind gebeugt sich majestätisch erheben
uralte Eichen, in Moos gehüllt.

Vom Schafmaul gezupft zu wolligem Teppich,
still, unergründlich die Fläche ruht,
wo Heidekraut mit Farn verwoben
die Distel ihr Haupt im Winde wiegt.

(Angelika Dölling 2007)


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